Gunnar Merbach

Wie viele Zeichen braucht der Mensch – Bewerbungen per SMS und Twitter

by Gunnar Merbach Donnerstag, 19.08.2010, 16:47  

Das Thema Mobile Recruiting ist kein Neues. Es findet immer mehr Eingang in den Recruiting-Alltag. Meist sind damit Internetseiten gemeint, die für mobile Endgeräte optimiert wurden. Oder Apps, wie zum Beispiel „Jobs&More“, die wir mit sehr positiver Resonanz für die Deutsche Telekom entwickelten (mehr Infos).

In wenigen Jahren wird es in Deutschland mehr Smartphones (also Handys, die zur Nutzung des Internets optimiert wurden) geben als PCs. Der Trend, die Inhalte von Karrierewebseiten auch „on-the-go“ erfahrbar zu machen, wird also zweifelsfrei weitergehen. Was aber ist mit dem Dienst, für den kein hochwertiges Telefon nötig ist und der sowieso von allen beherrscht wird – SMS!?

Recruiting per SMS oder noch klarer: Mit wenigen hundert Zeichen maximal. Was gibt es hier für Möglichkeiten?

Die erste ist, es als weiteren Informationskanal zu Kandidaten, Talenten und Bewerbern zu nutzen. Was tut sich derzeit am unternehmenseigenen Jobmarkt, welche News zum Unternehmens gibt es, was tut sich im Bereich Frauenförderung, welche Hochschulmessen (in der Nähe) werden durch die Firma besucht?

Eine weitere ist der Erhalt einer „Interessensbekundung“ durch einen Bewerber, ggf. sogar als Feedback zur vorangegangenen Ansprache per SMS durch das Unternehmen. Als Beispiel: Eine Firma verschickt eine Stellenanzeige an alle relevanten Kandidaten im eigenen Talent Pool als SMS. Die Kandidaten, die die Stelle interessant finden, antworten darauf – ebenfalls per SMS. Da die Firma die Handynummer dem jeweiligen Kandidaten zuordnen kann, ist es möglich, direkt einen personenbezogenen Prozess anzustoßen (Abgeleich der bereits vorhandenen Bewerberdaten mit dem Stellenprofil, ggf. Einladung zu Telefon- oder Videointerview).

Was aber ist mit einer eigenen Bewerbung per SMS? Viel zu kurz, geht nicht!?

Geht doch! So schrieb z.B. die Agentur VM-People ein Praktikum aus, auf das sich nur per SMS beworben werden konnte. Und bei Runners Point ist die SMS als weiterer Bewerbungskanal für Azubis mittlerweile gang und gäbe. Zielgruppe sind jedoch bei  beiden Unternehmen junge Kandidaten. Unnötig? Vielleicht, vielleicht aber auch innovativ. Wie schon mehrmals an anderer Stelle gesagt, ist es vollkommen unerheblich, was Personalverantwortliche in diesem Fall denken. Wichtig ist einzig, auf was die Zielgruppe reagiert. Und der Aufwand zur Pflege dieses Kanals ist nicht groß.

Eine SMS ist ein sehr einfacher Weg für einen Kandidaten, sein Interesse an einer Stelle oder einer Firma zu bekunden. Und genau das ist doch für viele Firmen die wesentlichste Information, insbesondere für den Mittelstand, der mehr und mehr in Bedrängnis kommt, beispielsweise bei der Besetzung der angebotenen Azubistellen (im Handelsumfeld ist alleine die Information, dass ein Käufer Interesse an einem Produkt hat, schon etwas wert). Egal wie der Kontakt zustande kommt – der durch eine SMS angestoßene Prozess mündet schnell im allgemeinen Recruitingprozess. Fraglich ist jedoch, wie hoch der Eingang unqualifizierter Nachrichten bei dieser einfachen Kommunikationsform ist.

Ein weiteren Schritt, den das ein oder andere Unternehmen nun geht (oder gehen möchte) ist eine Bewerbung per Twitter-Tweed. Hier stehen nur noch 140 Zeichen zur Verfügung! Es darf also gespannt abgewartet werden, wo die Untergrenze an Zeichen zu finden ist, mit der man eine „Bewerbung“ (oder eher sein Interesse) verfassen kann.

Klar muss aber sein: Wie alle Kanäle muss auch dieser zum Unternehmen passen! Es bedarf einer gewissen Innovationsoffenheit. Und die kontinuierliche Pflege ist ebenso wichtig wie bei sämtlichen anderen Kanälen: Eine rasche Antwort (auf ernstgemeinte Nachrichten) ist wichtig. Und sofern man keine Web-SMS nutzt sollte man sich eventuell zur Betreuung eine junge Kollegin oder einen jungen Kollegen suchen, der schnell zurücktippen kann… :-)

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