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Von Frauenquoten und Quotenfrauen

by mel Dienstag, 16.03.2010, 12:09  

Aus aktuellem Anlass greife ich auch in unserem Blog das Thema “Frauenquote” auf – die Telekom führt eine 30%-Frauenquote ein. Bis Ende 2015 sollen 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sein.

Hat es ein Unternehmen nötig, eine Frauenquote einzuführen? Machen sich Unternehmen unglaubwürdig? Ist eine Frauenquote eine Benachteiligung der Männer? Oder eher ein bewusst eingesetztes Instrument des Employer Branding, geboren aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit, mehr auf Frauen zu setzen, als bisher?

Bei Karrierebibel.de wird das ganze Thema recht bekritelt und der Telekom-Vorstoß als PR-Maßnahme verschrien. Das Mediale Interesse ist tatsächlich extrem groß, gängige Frauenportale berichten darüber.

Auch die HR Today berichtet in der aktuellen Ausgabe darüber und fragt: “Ist die Frauenquote eine faule Ausrede
oder ein sinnvolles Instrument?”
Als Resumé lässt sich ziehen, dass eine Frauenquote allein das Problem nicht lösen kann.

Spannend auch die Ansichten von Barbara Bierach, Journalistin.  Frauen seien “selbst schuld”, wenn es im Beruf nicht klappt, sagt Barbara Bierach im Interview mit Spiegel Online - Sie kämpften nicht für ihre Karriere, ließen sich mit Krümeln der Macht abspeisen und nutzten Kinder als “Heldennotausgang”. Sie relativiert das Ganze jedoch etwas, indem sie auch auf die mangelnden Kita-Plätze verweist, die eine Betreuung zu Hause zuweilen notwendig machen.

Im Großen und Ganzen wird das Thema “Frauenquote” in den Onlinemedien als suboptimal angesehen, wer will schließlich eine “Quotenfrau” sein, angestellt nur, weil es eine Quote gibt, und nicht aufgrund der Qualifikationen?!

Fest steht, und an dieser Stelle stimme ich den Autoren des Artikels von HR Today zu, dass sich Unternehmen zunehmend fragen müssen: “Was macht unser Unternehmen für Frauen attraktiv?” Die Antworten auf diese Frage können zukunftsweisend sein. Aber auch an anderer Stelle, nämlich direkt bei den Schülern und vor allem Schülerinnen sollte begonnen werden, die Werbetrommel auch für “männliche” / “technische” Berufe zu rühren. Denn wo es nur 10% weibliche Absolventen gibt, können nicht 30% Frauenquote erfüllt werden.

Interessant ist auch, nochmal einen konkreten Blick in die IT-Branche zu werfen – Besser2.0 berichtet: “Große Teile der von Enterprise 2.0 adressierten Fachbereiche werden vorwiegend von Frauen vertreten.”  Dementgegen stand, dass der Enterprise 2.0 Summit vor allem (oder besser zu 100%) männliche Referenten zu bieten hatte. Schön der Satz im Artikel, der mich vor allem an “Männer sind vom Mars. Frauen von der Venus.” erinnerte:  “Man spricht zueinander, aber versteht sich oft nicht, denn Vokabular, Inhalte, Nutzenargumentationen und Risikowahrnehmung liegen teilweise weit auseinander.”

Nun, hier können wir mit unserem Team als Beispiel vorangehen und punkten – schließlich haben wir – entgegen typischer ITler-Teams, einige Frauen dabei (oder ist das wiederum auf unser Thema “eHR-Solutions” zurückzuführen?!). Und der Kommunikation mit dem (weiblichen) Kunden sollte nichts mehr im Wege stehen ;-)

Zum Abschluss hier noch eine kleine, natürlich nichtrepräsentative Umfrage im Büro:

Stichprobe: ca. 80% Männer, 20% Frauen :-)

Alter: 25 – 35 Jahre

Fragestellung: Brauchen wir die Frauenquote?

“Ich hab kein Problem damit, wichtiger wäre es, die Frauen zu fragen.”

“In höheren Etagen müssen Frauen 3mal so viel leisten wie ein Golfkumpel, so funktioniert die Welt”

“Wenn eine Frau nicht mindestens so tough ist [wie ein Mann], wird es schwierig.”

“Wenn eine Frau regiert, schauen gerade die Männer ganz besonders genau hin.”

“Wieviele Frauen haben bei uns eigentlich schonmal das Sagen gehabt?”

“Das ist mutig von der Telekom, schließlich verpflichten sie sich damit auch zu etwas – klasse!” –> das war eine Frau ;-)

Weitere Kommentare erwünscht :-)

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Kommentare

3 Kommentare zu “Von Frauenquoten und Quotenfrauen”

  1. Sophie on 17. März 2010 09:47

    Andere Unternehmen halten nichts von einer Frauenquote. Interessanter Beitrag im Handelsblatt: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/strategie/telekom-steht-allein-frauenquote-deutsche-unternehmen-winken-ab;2546763

    Wie die ersten Umfrageergebnisse zeigen, halten über 80 % der Leser eine Frauenquote nicht für sinnvoll. Zur Umfrage geht es hier: http://www.handelsblatt.com/forum/umfragen/_p=236,_t=voting_results,voting_b=2546813

  2. FRank Wolf on 21. März 2010 18:02

    Ich finde es immer sehr angenehm in einem gemischten Team zu arbeiten. Gerade die IT Industrie kann sehr gut mehr Frauen vertragen, deshalb ist grundsätzlich alles was dahin führt, herzlich willkommen. EInige Fragen kommen aber auf, die mir bei der Frauenquote in Führungspositionen spontan einfallen:

    Wieviel Prozent der Belgschaft insgesamt sind Frauen? Wieviel Prozent davon sind in mittleren Führungspositionen und haben damit das Potential nach oben zu kommen?

    Was wenn die Frauenquote nicht zum Durchschnitt der Industrie passt? Sie oben im Artikel: “Denn wo es nur 10% weibliche Absolventen gibt, können nicht 30% Frauenquote erfüllt werden.”

    Wie motiviere ich weiterhin die Männer, die in den Jahren nach Einführung der Frauenquote für zu besetzende Top Positionen leider das “falsche ” Geschlecht haben?

  3. Astrid Rusch on 23. März 2010 09:29

    Ganz grundsätzlich gefällt mir die Diskussion und ich finde es einen gewagten Vorstoß der Telekom. Gleichzeitig denke ich, dass in Zukunft gar nichts anderes übrig bleiben wird. Wenn wir die demografische Entwicklung der nächsten Jahre in Zusammenhang zum Thema bringen, wird allen Unternehmen nichts anderes übrig bleiben als mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, parallel eine Kinderbetreuung aufzubauen, Schüler zusätzlich zu qualifizieren um höherwertige Bildungsabschlüsse zu ermöglichen, usw. Die Bewerberzahlen sprechen eine eindeutige Sprache.

    Ich denke, es ist ein ganz handfestes wirtschaftliches Interesse, das hinter diesem Thema steht. Die Telekom hat es zu diesem frühen Zeitpunkt sehr gut genutzt.

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