Stephanie Höse

SOCIAL MEDIA? JA, DAS MACHEN WIR AUCH…

by Stephanie Höse Dienstag, 27.07.2010, 11:40  

Personalverantwortliche werden für eine Aussage wie die oben zitierte noch immer kritisch belächelt. Wo soll das hinführen? Wissen sie, was sie tun? Hightech für Human Resources? 2005 löste der Internetvater Tim O’Reilly mit seinem Artikel „What is Web 2.0?“ einen Diskussionsvulkan aus, dessen Feinstaub alle Bereiche berieselt, in denen Menschen kommunizieren. Fünf Jahre danach leben Millionen Menschen mit dem neuen Lebenselixier „Social Media“ – während mindestens genauso viele die Gefahren und mögliche Fehlentscheidungen als Staubbelastung empfinden.

Wie sieht die Realität in Deutschlands Unternehmen aus?
Die Ergebnisse des Social Media Reports HR 2010 von Thorsten zur Jakobsmühlen überraschen. Von über 800 Befragten haben fast 70 Prozent „einfach begonnen“. Oft war es wohl so, dass ein internetaffiner Mitarbeiter des Personalmarketings damit startete, erste Inhalte bei Twitter oder Xing zu posten. Er tat dies, ohne sich vorher intern abzustimmen, Ratgeber hinzu zu ziehen oder externe Berater zu konsultieren. Aus seiner Sicht war das auch nicht notwendig, denn er nutzte die Inhalte, die auch schon auf der Website des Unternehmens zu finden waren. In der allgemeinen Euphorie fällt ein Gedanke unter die Tastatur: jedes Kommunikationsmedium braucht seine speziell aufbereiteten Inhalte. Die Initiative des Mitarbeiters wird ohne das erhoffte positive Echo verhallen.

Auch Personalmarketing 2.0 bedeutet Zeit, Aufwand und KnowHow-Aufbau
Wollen Sie die Social Media Kanäle für das Personalmarketing öffnen, investieren Sie in Zeit, Personal und die entsprechenden Fähigkeiten und Fertigkeiten. Nur so werden Sie die interessanten Menschen erreichen, die Sie auf den konventionellen Wegen des Personalmarketings nicht hätten ansprechen können. Marc-Stefan Brodbeck, verantwortlich für den Bereich Recruiting und Talent Service der Deutschen Telekom, beschreibt in einem Interview sein Vorgehen anhand eines Stufenmodells:

  • Stufe 1: Social Media wird einfach als weiterer Kommunikationskanal nutzt. Das ist der typische Einstieg.
  • Stufe 2: Der Dialog zwischen dem Unternehmen und den Lesern entwickelt sich.
  • Stufe 3: Alle Beteiligten partizipieren und gestalten Gemeinsames.

Personalmarketing 2.0 ist gar nicht neu
Die Analogie zur Produkteinführung zeigt, dass sich die gleichen Prinzipien auch für das Personalmarketing 2.0 anwenden lassen. Um wenigstens den Rahmen für die unternehmensweiten Social Media – Aktivitäten abzustecken, beantworten Sie gemeinsam mit den Kollegen folgende Fragen:

  1. Marktanalyse
    Was machen meine Mitbewerber in den Social Media?
    Welche Inhalte und Mehrwerte bieten sie ihrer Community?
  2. Zielgruppenanalyse:
    Wen wollen Sie mit welchen Inhalten ansprechen?
    In welchen Medien finden Sie Ihre Zielgruppe?
    Nutzen Sie dafür den Erfahrungsschatz Ihrer eigenen Mitarbeiter. So werden Ihre Inhalte und Interaktionsangebote authentisch und Sie erreichen die von Ihnen favorisierten Kandidaten garantiert. Starten Sie mit einer Zielgruppe und befragen Sie Ihre Mitarbeiter, die am ehesten der Zielgruppe entsprechen.
  3. Produktoptimierung:
    Welchen Mehrwert bieten Sie Ihren Kandidaten über Social Media?
    Was kann der neue Kanal, was Unternehmenspräsentation, Website, Messeauftritt, Publikation nicht können?

Vorhandene Inhalte auf Twitter zu posten, genügt nicht. Social Media bietet Ihnen die Möglichkeit, über Themen an die Zielgruppen heranzutreten, die sonst kein offenes Ohr für sie hätten. Diese Zielgruppe sucht nicht aktiv nach einer neuen Stelle. Sie interessiert sich für bestimmte Fachthemen und genau diese Themen sind die Türöffner, um mit diesen zukünftigen Kandidaten in Kontakt zu kommen. Für andere ist wiederum der Weg geebnet, ohne große Schwelle einfach Fragen an Sie loszuwerden und das Unternehmen so direkt kennen zu lernen.

Erfahrungen im eigenen Unternehmen
In unserem Unternehmen haben wir die Erfahrung gemacht, wie gut es sich anfühlt, dass Mitarbeiter in aller Öffentlichkeit über ihr Unternehmen berichten. Je weniger Sie die Texte kontrollieren und redigieren, umso authentischer werden die Beiträge Ihrer Mitarbeiter. Souveräne Mitarbeiter schreiben nichts „Falsches“. So gibt es aktuell zwei Blogs, die von unseren Mitarbeitern betrieben werden, unser Unternehmen ist eine der Top-Companies bei Kununu und auch intern nutzen wir Social Media, wie unser TeamWeb, um den Mitarbeitern eine Wiki-Plattform zu geben, auf der sie Wissen austauschen und Fragen diskutieren können. Tapio Liller bietet im seinem Blog hilfreiche Argumente zu Einwänden, die gegen die Nutzung von Social Media im Unternehmen sprechen.

Sie merken: zur Nutzung von Social Media im Personalmarketing gibt es nicht das eine Patentrezept. Es kommt ganz darauf an, wen Sie erreichen wollen. Der Bereich Social Media hält unzählige Kommunikationsmöglichkeiten bereit, die erkundet werden wollen. Erst dann können Sie beurteilen, welcher Kanal Ihr Kommunikationskanal werden soll. Zum Abschluss empfehle ich Ihnen das Prisma „Conversations in Social Media“ – es zeigt die Landschaft der Social Media in Deutschland mit allen relevanten Konversationskanälen.

Weiterführende Links zum Thema:

Blog: Beiträge rund um das Team Social Web
http://www.besser20.de/

Das unternehmensinterne Wiki TeamWeb
http://www.wissensexzellenz.de/index.php?id=118

Blog von Tapio Liller – 11 populäre Einwände gegen Social Media (und wie man sie entkräften kann)
http://www.opensourcepr.de/2009/11/16/11-populaere-einwande-gegen-social-media/

Das Prisma „Conversations in Social Media“ zeigt die Landschaft der Social Media in Deutschland mit allen relevanten Konversationskanälen.
http://www.ethority.de/weblog/social-media-prisma/

Blog des Thorsten zur Jakobmühlen, Spezialist für Recruiting und Personalmarketing http://www.blogaboutjob.de/

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Kommentare

Ein Kommentar zu “SOCIAL MEDIA? JA, DAS MACHEN WIR AUCH…”

  1. Bianca Gade on 10. August 2010 11:09

    Ein schöner Artikel, der zum Glück nicht pauschal sagt, dass Social Media die Lösung aller Probleme ist! Es gibt sicherlich Berufsgruppen, die einfach nicht im Web stark vertreten sind und daher darüber kaum oder gar nicht erreicht werden kann – zumindest noch nicht.

    Eine andere, für mich interessante Sicht dieses Themas ist, wie man Social Media innerhalb eines Unternehmens für sein Recruiting nutzen kann. Gerade in Konzernen ist es nicht möglich jeden zu kennen und Experten sind häufig schwer zu identifizieren – zumindest habe ich die Erfahrung gemacht. Meine Gedanken habe ich kürzlich in einen Blogpost gefasst und ich hoffe es ist nicht zu aufdringlich, wenn ich diesen als Ergänzung zu Ihrem hier erwähne: http://www.netmedia.de/blog/2010/07/wenn-wir-wussten-was-wir-wussten-recruiting-2-0-im-unternehmen/

    Viele Grüße aus Saarbrücken
    Bianca Gade

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