
Mobile Recruiting als Teil der Personalbeschaffung – welche Anwendungen gibt es heute?
Im letzten Artikel habe ich die Erkenntnisse einer Mobile Recruiting Studie vorgestellt. Heute schaue ich mir an, was sich private Anwender wünschen und welche Anwendungen heute schon auf dem Markt sind.
Nutzer internetfähiger Mobiltelefone möchten vor allem ortsunabhängig Informationen abrufen können und unterhalten werden, beispielsweise schnell die Wetterprognose bekommen, e-Mails abrufen oder mit Freunden chatten.
Unternehmen können dies für sich nutzen und mit attraktiven Angeboten ihre Zielgruppe ansprechen. Die mobilen Geräte können nicht nur für Spiele und Unterhaltung genutzt werden, sondern auch für die Jobsuche.
Heute kann schon mobil in Jobbörsen gesucht werden, doch es existieren auch spezielle Applikationen für Jobsuchmaschinen, beispielsweise jobtweet. Es gibt zudem einige Anwendungen, die nach einer Registrierung bei potenziellen Arbeitgebern oder Jobbörsen Informationen und Angebote per SMS zukommen lassen, die zum eigenen Profil passen.
Neben der iPhone App Jobs&More, die hier schon vorgestellt wurde, sind auch schon einige andere Angebote, die speziell über mobile Endgeräte Jobsuchende und Jobanbieter zusammen führen, auf dem Markt. Eine weitere interessante Mobile Recruiting App findet man unter http://www.Aushilfe-Direkt.de. Deren Nutzung ist zur Zeit auf Deutschland beschränkt. Die App bietet für registrierte Nutzer eine Aushilfsjobsuche im Umkreis. Ein konkretes Gesuch kann über Aushilfe-Direkt.de abgeschickt werden. Dann geht dieses Gesuch automatisch per SMS an alle registrierten Aushilfen heraus, die in Reichweite wohnen. Interessierte Aushilfen können sich dann per Handy direkt beim Auftraggeber melden. Über eine Umkreissuche kann der Auftraggeber auch direkt ermitteln, wie viele passende Aushilfen im Umkreis verfügbar sind.
Zudem gibt es den Dienst „jobs2web“, der Benachrichtigungen über SMS in die Recruiting Strategie integrieren kann.
Wer sich nicht registrieren möchte, kann auch einen sogenannten QR-Code (QuickResponse-Code) nutzen, den Unternehmen auf Plakaten oder in Anzeigen zur Verfügung stellen. Dieser lässt sich mit dem Handy abfotografieren, wonach man gewünschte Informationen, beispielsweise zu einem Jobangebot, direkt aufs Telefon bekommt.
Speziell an die Zielgruppe der Berufseinsteiger gerichtet ist die iPhone App „StudyAdvisor“ der Hamburger Firma Cyquest. Diese kann helfen, ein Bild des künftigen Berufsbildes und des Studienverlaufs zu vermitteln.
Ein weiterer sehr interessanter Artikel war auf go-jobware zu finden. Dort wird auch der Ansatz des Mobile Tagging unter Nutzung eines Barcode beschrieben. Dieser Funktion hat sich auch schon Volvo-Trucks bedient, die auf der letzten Automobilausstellung in Frankfurt nach Ingenieuren gesucht haben.
Der Trend zum Mobile Recruiting ist unverkennbar, und wird auch auf silicon.de aufgegriffen.
In dem dortigen Artikel werden die Vorteile darin gesehen, dass Mobile Recruiting sehr schnell ist und das Verfahren aufgrund einer vorherigen Registrierung zielgruppengenauer als Stellenanzeigen in Printmedien, die Streuverluste sind geringer. Der Nutzer erhält nur die Informationen und Angebote, die zu seinem Profil passen. Besonders junge Leute fühlen sich durch diese Form der Personalbeschaffung angesprochen.
Demgegenüber steht meiner Meinung nach die von Eva Zils über Twitter durchgeführte Umfrage, ob man sich über eine iPhoneApp bewerben würde. „Eher nicht“, so die Aussage der meisten Befragten. Zudem wird erwartet, dass Recruiter ebenso schnell reagieren, wenn man sich über die App bewirbt – was oftmals noch eine Schwachstelle in den Unternehmen ist.
Auch das Unternehmen Materna hat gemeinsam mit Persis ein Mobile Recruiting Modul vorgestellt, ein erster Pilotkunde, die E-Plus Gruppe, ist bereits aktiv. Dieses Modul macht die Personalsuche für Unternehmen leichter, schneller und effektiver. Kernfunktionen des Moduls sind das Boarding möglicher Bewerber über QR-Codes, SMS oder Bluetooth; ein Portal, in dem aktuelle Jobangebote angesehen werden können und mit dem Unternehmen in Kontakt getreten werden kann, ein mobiler Job-Alarm per SMS sowie die Möglichkeit zur Bewerberkommunikation.
Bisher gibt es noch keine Plattform, die die mobilen Dienste aller Arbeitgeber zur Verfügung stellt. Der Bewerber muss also eine Vorauswahl aus potenziellen Arbeitgebern treffen und sich dann das mobile Angebot der ausgewählten Arbeitgeber anschauen. Zudem sind die Preise für Online-Flatrates heute noch recht hoch und damit für die Zielgruppe, die angesprochen werden soll, nämlich Schüler und Auszubildende, noch uninteressant. Diesem begegnet die Deutsche Bahn AG: Auf Karrieremessen werden Informationen via Bluetooth an Bewerber versendet, die daher völlig kostenlos für den Empfänger sind und die man ohne vorherige Registrierung erhalten kann.
Mein Fazit:
Arbeitgeber, die die Sprache der Zielgruppe verstehen und die auf neue Wege der Bewerberansprache adäquat reagieren, werden gegenüber anderen einen deutlichen Vorteil haben. Doch die Unternehmen sollten sich nicht nur auf Schüler, Studenten und Auszubildende konzentrieren, denn wettbewerbsfähig bleiben nur die, die ihre Belegschaft, die Professionals, stetig weiterentwickeln und ein hohes Qualifikationsniveau im Unternehmen halten – es geht also nicht nur um Rekrutierung, sondern auch um Bindung. Über mobile Endgeräte sollten demnach auch Informationen zum Unternehmen sowie News kommuniziert werden, die die eigene Employer Brand stärken – bei den eigenen Mitarbeitern als auch bei potenziellen Bewerbern.
Abschließen möchte ich mit folgender Erkenntnis:
„Das Mobile Recuiting wird traditionelle Formen der Personalbeschaffung keineswegs verdrängen. Allerdings stellt es eine sinnvolle Ergänzung herkömmlicher Methoden dar.“ (Silicon.de)
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