
Drei Stufen zum Social Media – Erfolg: Ein Interview mit Marc-Stefan Brodbeck

Ein Gespräch mit Marc-Stefan Brodbeck, bei der Deutschen Telekom verantwortlich für den Bereich Recruiting & Talent Service, über die Bedeutung von Social Media im Recruiting. Neben den Auswirkungen der neuen Medien auf sein tägliches Arbeitsleben und das Recruiting gibt er auch ganz persönliche Tipps für Bewerber, die sich für die Telekom interessieren.
Herr Brodbeck, neue Medien sind bei der Deutschen Telekom so wichtig, weil….?
… wir greifbarer geworden sind. Social Media geben uns die Chance, direkt in einen Dialog mit der Zielgruppe zu treten, was bei anderen Medien oft schwerer möglich ist. Wir wissen, dass die Telekom noch nicht in allen Zielgruppen ein Topimage hat. Wir wissen aber auch: sobald Menschen mit uns in Kontakt treten und uns kennenlernen, zum Beispiel über ein Praktikum, direkt über Mitarbeiter der Telekom oder über Social Media, dann finden sie uns richtig gut.
Was verändert Social Media in Ihrer täglichen Arbeit?
Social Media wie etwa Twitter, Facebook oder Xing-Gruppen sind bereits seit längerem fester Bestandteil unserer Personalmarketing-Aktivitäten denn als führendes Talentunternehmen wollen wir eine transparente Unternehmensdarstellung auf Augenhöhe erzielen und den Blick hinter unsere Kulissen freigeben. Inzwischen sind wir von der „one to many“- Kommunikation zu einem wirklichen Dialog gekommen. Mit einer Broschüre können wir das zwar auch – nur nicht ganz so konsequent. Auf Twitter oder Facebook geben wir der Telekom ein Gesicht – die User kommunizieren mit Menschen, mit uns.
Die Kommunikation in Social Media erfordert vor allem einen neuen Kommunikations-Ansatz: lange Vorlaufzeiten und umfangreiche Freigaben sind undenkbar, schnelle Reaktionszeiten sind gefragt. Zu sagen: “Das machen wir nächste Woche” – geht einfach nicht mehr.
Wie sind Sie bei der Integration von Social Media in das Recruiting vorgegangen?
Es gibt im Wesentlichen drei Ausbau-Stufen.
Stufe 1: Social Media wird einfach als weiterer Kommunikationskanal genutzt. Das ist der typische Einstieg. Den haben wir erfolgreich bewältigt.
Stufe 2: Der Dialog zwischen uns und unseren „Followern“ entwickelt sich. Hier sind wir gerade mitten drin: Zum einen bekommen wir von unseren Followern gutes Feedback und zum anderen befinden wir uns mit unserer HR-Präsenz in Social Media – durch Studien bestätigt – auf den vordersten Plätzen unter den 30 DAX-Unternehmen. Anscheinend haben wie doch Einiges richtig gemacht.
Stufe 3: Im nächsten Schritt partizipieren alle Beteiligten und gestalten Gemeinsames. Hier wird es spannend sein, zu beobachten, in welche Richtung es geht.
Ein Beispiel ist unsere iPhone App: Bei der Übernahme von Nutzerkommentaren der iPhone App sind wir bereits auf dem Weg vom Dialog zur Partizipation, denn viele Anregungen, die wir über Social Media erhalten, setzen wir schon um. Bei der Einführung der App zeigte sich auch die Power von Social Media. Obwohl keinerlei klassische Kommunikation zur Einführung stattfand, gab es innerhalb kürzester Zeit tausende Downloads.
In aktuellen Studien und Trendreports schneidet die Telekom immer wieder gut ab. Gerade haben Sie den Silberrang für die Karriereseite erhalten. Wo sehen Sie dennoch Optimierungsbedarf?
Wir arbeiten daran, die Seite weiter zu optimieren und in puncto Nutzerführung, Content und technischer Umsetzung sind wir schon auf einem sehr guten Weg. Eine Herausforderung wird es beispielsweise sein, die Karriereseiten und damit den Auftritt des Arbeitgebers und den Auftritt des Unternehmens noch enger miteinander zu vernetzen. Stellen Sie sich vor, Sie lesen einen Artikel über einen bestimmten Fachbereich. Darin könnte ein Link zu den benötigten Fachkräften bzw. den entsprechenden Stellenausschreibungen integriert werden. Damit entsteht ein echter Mehrwert für den User.
Werden bei Entscheidungen für einen Kandidaten soziale Netzwerke wie Xing, Facebook oder Twitter zur Informationssuche über den Bewerber genutzt?
Natürlich nutzen wir Xing, um Kandidaten zu finden. Bei Facebook haben wir die Applikation „Jobs for Friends“ integriert, über die im eigenen Netzwerk Jobs der Telekom weiterempfohlen werden können. Was wir nicht machen, ist eine strukturierte Recherche über Kandidaten im Netz. Häufig werden wir von Kandidaten aber auf ihre bestehenden Profile in sozialen Netzwerken eingeladen.
Herr Brodbeck, aktuell wird heiß über die Einführung der Frauenquote diskutiert, die sicherlich auch Auswirkungen auf das Recruiting hat. Ist die Frauenquote nur ein „Strohfeuer“ und eine Imagekampagne?
Ein ganz klares Nein. Es ist keine Imagekampagne. Wir sind überzeugt davon, dass sich die Partizipation von Frauen auch in Führungspositionen ändern muss. Wir sind insbesondere in MINT-Berufen dringend darauf angewiesen, uns den Pool an Fachleuten zu erschließen. Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Management sind erfolgreicher. Die Erhöhung des Anteils an Frauen in Führungspositionen ist für uns eine strategische Aufgabe der nächsten Jahre, von Strohfeuer also keine Spur.
Ändert sich mit der Einführung einer Frauenquote auch das Bewerbermanagement?
Wir haben viel Zuspruch und positive Resonanz zum Thema erhalten. Was uns freut. Gerade in den MINT-Themen gab es bisher flächendeckend zu wenige Kandidatinnen. Für uns ergibt sich daraus die Herausforderung, attraktive Angebote machen zu müssen, die dem Berufsalltag der Frauen entsprechen. Bei allem bleibt natürlich der Grundsatz der Bestenauswahl. Der Recruitingprozess selbst bleibt unverändert.
Sich bei der Deutschen Telekom zu bewerben, sollte man unbedingt in Betracht ziehen, weil…?
… es ein hoch spannendes und innovatives Unternehmen ist, das Technik von morgen gestaltet, unglaublich viele Möglichkeiten bietet, ob national oder international, verschiedene Themen, Karrieremöglichkeiten und ein unglaublich vielfältiges Angebot hat. Die neue Telekom ist mit dem Unternehmen, welches viele noch von früher kennen, nicht mehr zu vergleichen.
Welchen persönlichen Tipp haben Sie für Bewerber?
Noch nie war es so einfach, die Telekom kennen zu lernen. Nutzen Sie einfach Social Media, um mehr über uns zu erfahren. Und egal ob klassische Papierbewerbung oder Bewerbung über das Web: Lassen Sie immer die gleiche Sorgfalt walten. Lassen Sie sich auch nicht entmutigen, wenn Sie mal nicht alle Kriterien einer Ausschreibung erfüllen. Bleiben Sie zuversichtlich und bewerben Sie sich. Wir suchen nicht Abschlüsse, sondern Begabungen. Auch Brüche im Lebenslauf sind azeptabel. Seien Sie offen und erklären Sie, was wir nicht wissen können. Bei uns zählt: „Who before what“.
Und zum Abschluss – verraten Sie mir noch Ihr Arbeitsmotto?
Mein persönliches Motto ist „Ein guter Manager hat die Einschusslöcher in der Brust und nicht im Rücken“.
Vielen Dank für das spannende Interview!
Das Interview führte Melanie Pürschel, Dipl.-Psychologin, seit 2007 Konzeptionist im Bereich eHR Solutions der T-Systems Multimedia Solutions GmbH
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